| Berichte | 13.06.2019

V2G Theorie oder Praxis?

Seit 50 Jahren treffen sich die Elektromobilitätsspezialisten am EVS (Electric Vehicle Symposium). An der 32. Ausgabe, die im Mai in Lyon stattgefunden hat, ist die populärste Thematik das Vehicle-to-Grid (V2G) gewesen und zwar die Nutzung der Fahrzeugbatterie als Energiespeicher für das Stromnetz (bspw. für Netzregulierungsaufgaben und Verbesserung der Integration von erneuerbaren Energien).

Über V2G wird schon seit längerem gesprochen und unzählig sind die technischen und wirtschaftlichen Analysen, die Prototypen und Pilotprojekte, die im Laufe der Jahre mit dem Ziel gemacht wurden, die technische Machbarkeit und mögliche positive Geschäftsmodelle zu ergründen. Man würde eine Keimung von Angeboten erwarten, wenigstens dort, wo die vollständige Strommarktliberalisierung gilt. Warum sieht man dann nichts Konkretes? Es scheint der übliche Teufelskreis: Es gibt keine Produkte, weil es kein Markt gibt – es gibt keinen Markt, weil es keine Produkte gibt. Es bestehen jedoch signifikante Ausnahmen: einige Ladestationsproduzenten haben begonnen bidirektionale Lader auf den Markt zu bringen (bspw. EVTEC, Magnum Cap, Wallbox und Andere), die es ermöglichen, die Energie der Batterien in das Netz einzuspeisen. Bezüglich Angebote für eAuto-Besitzer, um die Nutzung derer Fahrzeuge im V2G-Modus zu monetisieren, signalisieren wir ein interessantes Marktangebot aus Grossbritannien.

OVO Energy, Anbieter erneuerbarer Energie, schlägt vor, Nissan Leaf-Besitzern für die Energieeinspeisung ins Netz 0,06 £/kWh netto zu vergüten (https://www.ovoenergy.com/electric-cars/vehicle-to-grid-charger). Den Photovoltaikanlage-Besitzern hingegen, die zur Energieeinspeisung ins Netz ausschliesslich den bidirektionalen Lader nutzen, werden zusätzlich zum üblichen Energieeinspeisungstarif 0,02 £/kWh geboten. In beiden Fällen ist der bidirektionale Lader Besitz der OVO Energy und wird kostenlos zur Verfügung gestellt, auch weil das Projekt öffentliche Subventionen bekommen hat. Die Nutzer müssen, mittels App, Uhrzeit der Fahrzeug-Nutzung und benötigter Batterie Ladestatus/stand angeben: die Software übernimmt dann automatisch die Regulierung d.h. wie und wann Energie geladen/entladen werden soll unter Berücksichtigung der Benutzernachfrage.

Obwohl die Initiative in der Zeit (2 Jahre), im Ausmass (nur 1000 Teilnehmer) und sowohl in der Fahrzeugauswahl (nur Nissan Leaf - wobei erinnert werden muss, dass momentan nur Japanische Fahrzeuge mit CHAdeMO-Steckverbindung V2G ermöglichen) begrenzt ist, bleibt die Bedeutung des Projekts bemerkenswert, denn es ermöglicht, den potentiellen V2G-Markt bei einem zahlenmässig bedeutenden Muster von Endkunden besser einzuschätzen

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Kommentare (5)

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Bernhard Liesenkötter
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2
Apr. 2018
Bernhard Liesenkötter sagt…

Ich habe gelesen, dass Mercedes auch neue Smart-Batterien statt "auf Lager" in ein großes Speichersystem integriert, damit sie aktiv und jung bleiben! Die Alterung durch die gelegentlich kurzen Lade- und Entladespitzen ist minimal und kann mit einem sinnvollen Tarif gut ausgeglichen werden.

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sig
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1
Jun. 2019
sig (Dorfen, Bavaria, Germany) sagt…

auch ohne V2G, nur mit gesteuertem Laden würde ja Angebot/Nachfrage vonerneuerbarem Strom schon besser werden.

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H. Lange
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1
Jun. 2019
H. Lange (Eching, Bavaria, Germany) sagt…

Natürlich würde ich da mitmachen, wenn es denn mehr als nur den Nissan Leaf gibt, die das können....

Die Batteienkapazitätenn werden auch immer größer, da kann ich ruhig 10-20% davon variabel halten, ohne liegen zu bleiben.

Ein neuer Standard wäre dafür halt für den europäischen Raum nötig.

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Stefan Forst
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3
Feb. 2018
Stefan Forst sagt…

In ein paar Jahren werden viele E-Autos V2G-fähig sein. Irgendwann stellen sie dann ein gewaltiges Pumpspeicherkraftwerk dar und haben das Potential die Stromversorgung effizienter und sicherer zu machen. Voraussetzung ist eine intelligente Ladeinfrastruktur, die laden und einspeisen netzverträglich organisieren kann. Der Kunde wird für die Nutzung der Batterien seines Fahrzeuges eine Entschädigung erhalten. Um einen drohenden Blackout zu verhindern, sollte es möglich sein, dass alle Fahrzeuge automatisch zur Stabilisierung des Systems beitragen.

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Beat
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2
Mär. 2019
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Beat (Ticino, Switzerland) sagt…

In erster Linie sollte die Batterie für eine bessere Selbstversorgung dienen und falls Uebrschuss vorhanden ist, kann dieser ins Netz gespiesen werden.

 
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