EVTEC
| Berichte | 06.05.2019

Elektroautos müssen neu auch in der Schweiz Lärm machen

Bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten ist das Geräusch der rollenden Autoreifen und der Luft unbedeutend, ein eFahrzeug kann also, wegen der Geräuschlosigkeit seines Antriebsystems, von Fussgängern oder Radfahrern überhört werden, wenn es von hinten angefahren kommt. Kritischer ist die Situation bei blinden oder sehbehinderten Fussgängern, die unabhängig von der Anfahrtsrichtung, ein eFahrzeug überhören würden.

Dieses Problem wurde schon während dem 2001 beendigten bahnbrechenden Pilotprojekt VEL in Mendrisio (TI) bemerkt. Bei mangelnder Gesetzgebung entschloss man sich damals für die Anbringung am Fahrzeug (bspw. bei den Elektroausführungen der Peugeot 106 und Citroën Saxo) einer akustischen Warnanlage für Fussgänger und Fahrradfahrer. Der akustische Warner konnte vom Fahrer betätigt werden und erzeugte ein „freundlicheres“ Schallzeichen als eine Standardhupe, welche mit Recht als zu laut und „anmassend“ empfunden wurde. Das Comeback der eFahrzeuge hat das Problem wieder aktualisiert und zwar derart, dass die jüngste Überarbeitung des Europäischen Reglements EU 540/2014 im Artikel 8 das akustische-Warnsystem für eFahrzeuge (Acoustic Vehicle Alerting System - AVAS) eingearbeitet hat. Ab 1. Juli 2019 müssen alle neuen eFahrzeug- und Hybrid-Typologien mit einer solchen Vorrichtung ausgerüstet sein und ab 1. Juli 2021 erstreckt sich die Pflicht auf alle verkauften Elektroautos und Hybride. Es ist zu bemerken, dass einige Hersteller schon lange vor Einführung des Gesetzes begonnen haben, die eigenen Fahrzeuge mit AVAS auszustatten.

Im Vergleich zur Lösung des Pilotprojekts vor 20 Jahren, schreibt Anhang VIII vor, dass das AVAS-Warnsystem ein Dauerschallzeichen erzeugen muss, das sich mindestens in einem Geschwindigkeitsbereich zwischen Fahrtbeginn und einer Geschwindigkeit von etwa 20 km/h automatisch einstellt. Weiter schreibt es vor, dass im Fahrzeug ein Schalter zu seiner Deaktivierung angebracht werden muss.

Auf jedem Fall muss AVAS automatisch bei jedem Neustart einsetzen. Hybride Fahrzeuge, bei denen der Verbrennungsmotor bei niedrigen Geschwindigkeiten immer in Betrieb ist, sind natürlich nicht AVAS-pflichtig. Dies ist ein Beispiel wie, einige kritischen Punkte, die die Elektrifizierung der Autos mit sich bringt, sukzessiv gelöst werden.

Mehr über das Reglement 540/2014.
Für technische Merkmale verweist das Reglement auf die Vorschrift UN 138, Revision 1.

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Kommentare (15)

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Pat Cas
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1
Mai 2019
Pat Cas sagt…

Hat man endlich Ruhe auf der Strasse erfindet jemand eine "lärmende" Zwangslösung. Konsequenterweise müsste man nun alle Fahrräder, Rollbretter, agways und Kinderwagen ebenfalls mit einer automatischen Lärmquelle ausstatten. Das ist doch auch völlig unsinnig.

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micc
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6
Mär. 2018
micc (Bavaria, Germany) sagt…

Ich bin auch mehr für ein vom Fahrer zu bedienendes akustisches, freundliches Signal. Wenn wir schon die Chance haben, den Verkehr leiser zu machen, sollten wir das nicht durch künstlichen Lärm wieder zunichte machen. Ich sehe schon die E-Sportwagen kommen, deren AVAS einen röhrenden Benziner imitiert

Falls wir nicht um AVAS herumkommen, sollte

a) die max. Lautstärke auf einem niedrigen Niveau begtrenzt werden

b) das Thema mit Sehbehinderten und Fachleuten erörtert und auf deren Bedürfnisse abgestimmt werden und

c) alle paar Jahre eine Überprüfung stattfinden, ob das System verbessert, abgeschafft oder beibehalten werden sollte.

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Daniel Stüssi
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2
Mär. 2018
Daniel Stüssi (Thalwil, Zürich, Switzerland) sagt…

Das erinnrt mich an die Vorschrift Anfang des 20. Jahrhunderts, die besagte, dass vor einem Auto ein Mann mit einer roten Warnflagge vorauseilen muss. Er sollte die anderern Verkehrsteilnehmer vor der kommenden Gefahr warnen. In einem zweiten Schritt müssen dann wohl Schallschutzfenster auf Staatskosten installiert werden.

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thomic
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1
Mai 2019
thomic (Berlin, Germany) sagt…

Diese Verordnung ist völliger Unsinn, typisch Bürokratie und vollkommen unnötig. Ich fahre sei 2001 einen Citroen SAXO èlectrique mit diesem erwähnten "Fußgänger-Piepser" und habe niemals Probleme mit Fussgänger gehabt. Das Ganze ist eh nur nötig auf Parkplätzen von Super/Bau-Märkte, wo sich die Verkehre stark vermischen. Im allgemeinen Straßenverkehr ist es idR eh viel laut durch all die lärmenden (und stinkenden) Verbrenner und man muss eben §1 beachten, beide Verkehrsteilnehmer. Aber das kann offensichtlich heute nicht mehr jeder ...

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Gass M.
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1
Mai 2019
First Poster
Gass M. (Otelfingen, Zürich, Switzerland) sagt…

Wie wäre es mit einer Art elektronischer Glocke (fahrradklingel)?

èber 2. Hupenknopf, wie früher in frz. Autos (Stadt- und Ueberlandhorn).

 
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